Zerstörung der Weltmeere
Es findet sich nur im Kleingedruckten der öffentlichen Wahrnehmung: Das Ausmaß der Zerstörung der Weltmeere. Erschreckende Fotos von Seevögeln mit ölverklebten Gefieder, qualvoll verendete Fische und ein kilometerlanger Ölteppich, der sich als giftige Masse über den Golf von Mexiko verteilte: Diese Bilder und Schlagzeilen der Ölpest im Golf von Mexiko haben der Welt eindrucksvoll vor Augen geführt, welches Ausmaß der Umweltzerstörung durch das unersättliche und immer risikoreichere Bohren nach Öl erreicht werden kann.
Aber ein erschreckender und nicht so präsenter Anteil der Umweltzerstörung in den Ozeanen geschieht im Verborgenen, schafft es nicht in die täglichen Schlagzeilen: Die gnadenlose Ausbeutung der Meere, die Wasserverschmutzung und Verseuchung der Ozeane mit giftigem Plastikmüll, die Überfischung der Meere, die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt – die größten Kapitel der Umweltzerstörung in den Ozeanen stehen im Kleingedruckten der öffentlichen Wahrnehmung.
Das Umweltprogramm der UNO warnt, unsere Weltmeere seien zu einer gigantischen Mülldeponie geworden: 90% des Mülls besteht dabei aus Plastik, der mit der Meeresströmung zu einer tödlichen Müllwelle für Meerestiere und Pflanzen wird. Forscher haben beispielsweise herausgefunden, dass das Meerwasser im Zentralpazifik vor Hawaii sechsmal mehr Plastikteilchen enthält als Plankton. Auch radioaktive Stoffe zerstören den Lebensraum von Korallen, Fischen und Seepflanzen auf lange Sicht. Hinzu kommt eine rücksichtslose Überfischung der Fischbestände in den Weltmeeren, damit in den Küchen und Restaurants dieser Welt feinste Fisch- und Meeresspezialitäten für oft viel Geld auf den Tellern landen.
Hunderte von Meeresbewohnern stehen auf der roten Liste der bedrohten Tiere, hunderte andere Arten sind längst ausgestorben und Opfer der menschlichen Gier und Rücksichtslosigkeit, auch der Thunfischfang zählt dazu, geworden. Auch wenn dieses Thema längst von zahlreichen Verbrauchern registriert wurde, ist bisher wenig geschehen, um Überfischung und Zerstörung der Weltmeere und Gewässer einzudämmen. Wirtschaftliche Interessen und die Kurzsichtigkeit der Menschen stehen einem wirksamen Schutz der Meere entgegen. Dabei, so mahnt Klaus Töpfer, der Direktor der Umweltbehörde der Vereinten Nationen muss dringend eine Trendwende im Denken und Handeln her, denn sonst “werden wir die schwierige Aufgabe haben, unseren Enkeln zu erklären, was ein Fisch ist.”